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Mitarbeiter von eßkultur Berlin

Kolle - Koki Beans

Bei einem Betriebsausflug stand Kolle gerührt vor einem Jugendstilhaus in der Kölner Glockengasse. Aber nicht die Architektur löste seine Freude aus, es war der Duft, der von diesem Haus ausging. Hier roch es nicht nach frisch gebackenem Kuchen oder einem deftigen Mittagessen, es war der Duft von Echt Kölnisch Wasser, das von der Hausnummer 4711 aus die Welt eroberte.
Aqua Colonia, das „Wasser aus Köln“ kannte Kolle aus Kamerun, genauer aus Limbe, seiner Heimatstadt. Dort gab es diesen Duft zu einem ganz besonderen Anlass, nämlich dann, wenn ein Kind auf die Welt kam. Wer dieses Kind baden wollte, der musste sich erst die Hände mit Eau de Cologne waschen. Lange Zeit war Kolle überzeugt, dass Eau de Cologne „Wasser des Lebens“ heißt.
Der Duft erinnert ihn bis heute an diesen ganz besonderen Tag im Leben aller Menschenkinder: den eigentlichen Geburtstag. Gefeiert wird die Geburt übrigens erst ein Jahr später. Dann aber richtig: Zum ersten Geburtstag wird die ganze Familie eingeladen, alle Freunde, und wenn möglich das ganze Dorf (Limbe ist dafür allerdings zu groß).
Und unbedingt auch dabei ist ein ganz besonderer Geburtstagskuchen: Koki Beans, ein herzhafter Kuchen aus Bohnen und Palmöl. Der Teig wird zum „backen“ in Bananenblätter gefüllt und kegelförmig aufgerichtet. Je größer die Geburtstagsgesellschaft ist, desto größer ist auch der Kuchen. Der größte, den Kolle probiert hat, hatte einen Meter Durchmesser.
Die Geburtstagskinder bekommen nichts von ihrem Kuchen ab. Sie müssen mindestens noch ein Jahr warten, bis sie die scharfe Pastete mit Reis oder Kochbanananchips auf einem anderen Geburtsfest probieren können. Während dieser Zeit können sie sich auch schon auf die schönen Chinchin freuen: eine Art Orangenschleife, die frisch frittiert bei keinem Fest fehlen darf: Kolle bäckt sie manchmal für uns...ach, wenn doch jeden Tag Geburtstag wär'!