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Mitarbeiter von eßkultur Berlin

Omar - Beduinen backen keine Torten

aus Ägypten, bei eßkultur seit 2015

Wer wann Geburtstag hat, war total egal bei Omar zuhause, Beduinen muslimischen Glaubens feiern keine Geburtstage. Zuckerfest, ja, da werden große Platten mit Süßigkeiten gefüllt und alle dürfen zugreifen. Die Kinder bekommen vom Vater Kleidung geschenkt. Später geht man zu den Nachbarn und bringt dort auch noch Süßigkeiten vorbei. An das Schlachtfest kann sich Omar auch gut erinnern: Seine Familie hatte Ziegen und Schafe, mit denen sie durch die Wüste zog. Zum Opferfest wird unbedingt ein Tier geschlachtet und gemeinsam verzehrt. Und auch hier teilt man mit den Freunden. Im Sommer war Omar mit seiner Familie eher am Meer, im Winter schlugen sie ihre Zelte in der Wüste auf. Sieben Schwestern und neun Brüder: Omar ist in einer großen Familie aufgewachsen. Zwei Frauen, mit denen Omars Vater bis heute verheiratet ist. Das Gebiet, das sie mit ihrer Familie durchquerten, ist riesig. Oliven, Datteln und Aprikosenplantagen gehören dazu. Omar hat sich dann doch für ein anderes Leben entschieden, wurde erst Schreiner, arbeitete dann im Sinai in der Gastronomie, lernte seine Frau kennen und zog 2013 nach Berlin. Entschloss sich, Koch zu werden, landete bei uns. Unser "Beduinenzelt" hat es ihm angetan. Heute ist er Vater. "Kinder aufzuziehen ist hier viel schwieriger, immer musst du auf die Uhr schauen, du kannst dein Kind nicht einfach deinem Bruder geben, und eine Woche weggehen. Zwei, drei Stunden, länger kann man nicht weg." Manchmal will er wieder in der Wüste leben, aber nur manchmal. Was Omar hier mag: die Bildung, Bücher, dass man hier so viel lernt. Omar grinst, muss schnell los, seine Tochter abholen. Für die bäckt er übrigens auch einen Geburtstagskuchen.