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Mitarbeiter von eßkultur Berlin

Bozena - Polnische Gurken aus Bullerbü

aus Polen, bei eßkultur seit 2014

Bozenas Kindergeburtstage stelle ich mir vor wie in Bullerbü: Sechs Geschwister waren sowieso dort auf dem Hof, und zum Geburtstag kamen die Nachbarskinder dazu. Feiern im Garten, zehn bis zwölf Kinder, Fangen und Verstecken bis es dunkel wurde, in einem Dorf in der Nähe von Landsberg, in Polen. Es gab immer Käsekuchen, sagt Bozena, und erinnert sich an die große Schüssel, in der alle zusammen kräftig rühren mussten. Der Quark ist in Polen anders. Viel fester. Er ist wie unser Schichtkäse, da muss man ohne einen elektrischen Mixer ganz schön arbeiten. Alle Kinder haben mitgeholfen, der Teig wurde in einem Trog zubereitet. In Polen wurde viel Kuchen gebacken, denn Süßigkeiten gab es kaum zu kaufen. Obstkuchen, von den Äpfeln im Garten. Der Keller war voll mit selbstgemachten Marmeladen und eingelegten Gurken, und im Fass gärte das Sauerkraut.

Seit 1997 lebt Bozena in Berlin. Ihre Kinder sind noch in Polen geboren und dann in Berlin in die Schule gegangen. Sie haben sooo schnell Deutsch gelernt, Bozena lächelt. "Bei mir hat es länger viel gedauert", logisch. Seit sie bei uns arbeitet, da habe sie einen riesigen Sprung gemacht. In Berlin angekommen? Bestimmt! Hier ist ihre Familie, zwei Kinder, vier Enkelkinder, Weihnachten feiern sie nicht mehr in Polen, sondern schon lange in Berlin, mit polnischen Rezepten, Käsekuchen backen sie mit Quark. Und überhaupt wollen die Kinder lieber Kuchen mit Schlagsahne. Den "Katzensprung" nach Landsberg, also nach Gorzów Wielkopolski, macht sie aber immer noch oft, und im Sommer kocht sie Marmeladen und Gurken ein, bringt gefüllte Gläser mit hierher. Klar, wer verzichtet schon freiwillig auf den Geschmack von polnischen Gurken, hausgemacht?